Meine Reise nach Karelien

Von Bärenspuren, Wald-Gesängen, Löyly und Mitternachtssonne

Im Juni war ich in den Wäldern Nordkareliens unterwegs. Das ist ganz nah an der Grenze zu Russland.
Eine Woche war spiritueller Art: eine schamanische Pilgerreise um den mystischen See Pielinen mit den wunderbaren Guides Anna-Katariina Hollmerus und Helena Karhu. Karhu heißt übrigens „Bär“. Diese Tage waren geprägt von Naturverbundenheit und Stille sowie vom Lernen über lokale Traditionen.
Die Menschen in Karelien sind nach wie vor zutiefst mit dem Land verbunden, auf dem sie leben. Man fühlt ihre große Liebe zur Natur und zu allen Wesen, die dort leben, und wie sie selbst ganz selbstverständlich ein Teil davon sind. Wir haben zum Beispiel Lieder gelernt, die gesungen werden, um einen Wald zu fragen, ob man ihn betreten darf, und seine Antwort in einfachen Zeichen zu erkennen. Es gibt Bären-Lieder, Wasser-Lieder, Feuer-Lieder …
All das mögen manche vielleicht belächeln – doch wird jeder durch solche Rituale unweigerlich aufmerksamer und geht bewusster mit sich und seiner Umgebung um.
Es geht ja auch ganz in Stille. Und das tut echt gut, auch wenn man sich nicht auf einem spirituellen Weg befindet.

Wir waren täglich in der Sauna, die eine zentrale Rolle im Leben der Finnen spielt. Dort werden teilweise noch immer Kinder geboren und die Verstorbenen verabschiedet. Jedenfalls ist sie, egal wie und wo man lebt, ein fixer Bestandteil des Alltags. Oft ist die Sauna zugleich das Badezimmer. Ich habe gelernt, dass man sich sehr wohl auch mit Wasserschüsseln die Haare waschen kann und dass es schön ist, wenn sich die Frauen dabei untereinander helfen.
Der Dampf vom Aufguss heißt Löyly, bedeutet so etwas wie „der heiße Lebensatem“ und hat in jeder Sauna ein eigenes Wesen, einen Charakter. Wenn man darauf achtet, nimmt man das tatsächlich wahr. Mal ist es sanft, mal wild …
Man begrüßt die Sauna und bedankt sich am Ende bei ihr. Eine Filmempfehlung, falls du mehr über diese besondere Art des Saunierens erfahren möchtest: „Smoke Sauna Sisterhood“. Der spielt zwar im benachbarten Estland, kommt aber sehr nah an meine Erfahrung heran.

Ich könnte noch stundenlang über diese Tage erzählen. Diese Wildheit der finnischen Natur hat mich komplett überwältigt. Farne so hoch, dass man sich fühlt wie ein Zwerg (oder eine Elfe). Die Mitternachtssonne, in die man versinken möchte. Die Stille. Spontan nackt in einen einsamen See springen. Die Aufregung, wenn man auf dem Weg von einer Bärenspur überrascht wird. Nachts auf Elchsuche gehen. Bunte Holzhäuser und verzauberte Blumenwiesen.
Zum Glück hatten wir noch eine Woche zu zweit in einem abgelegenen Waldhaus mit See und natürlich Sauna, um das Ganze sanft ausklingen zu lassen.
Kiitos, Finland!

In der Galerie kannst du gerne noch etwas mehr in meine Erinnerungen eintauchen:

Siegrid Cain

Siegrid is a successful and passionate portrait and lifestyle photographer with 20 years of experience and only uses analogue cameras and film for all her work.
She lives with her husband, 2 children and 2 dogs in a little old cottage at the foot of the Austrian alps, surrounded by fields, forests and lakes.

http://www.siegridcain.com
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Streifzüge: Wien analog